Wir stellen vor: unsere Nachbarschaft

Über die Entwicklungen von Oberbillwerder hinaus möchten wir in diesem Jahr stärker auch mit den Menschen ins Gespräch kommen, die für den neuen Stadtteil fast ebenso wichtig sind wie seine künftigen Bewohner:innen: die Nachbar:innen! Gemeinsam möchten wir ein starkes Netzwerk aufbauen, uns gegenseitig inspirieren und allen Interessierten sowie den zukünftigen Bewohner:innen einen Einblick in die facettenreiche Nachbarschaft des Bezirk Bergedorfs geben.


paddel-meier Bootsvermietung – unseren allerersten Nachbarn – besuchten wir an der Heinrich-Osterath-Straße in Kirchwerder in den Vier- und Marschlanden. Idyllisch an der Gose-Elbe gelegen, bietet der familiengeführte Bootsverleih kleine Paddel-Abenteuer, feucht-fröhliche Ausflüge sowie aufregende Kindergeburtstage.

Von Marion Meier, der Inhaberin, wollten wir zunächst einmal erfahren, wer und was hinter der Institution „Paddel-Meier“ eigentlich steckt.

Marion Meier: „Ich bin in Hamburg geboren und lebe seit 1980 in Kirchwerder. Nach meinem Schulabschluss habe ich eine Lehre beim Hauni-Konzern als Technische Zeichnerin gemacht. Aber immer nur am Computer sitzen, das war dann doch nichts für mich. Ich habe also mein Abitur nachgeholt, um zu studieren. Aber wie das eben oft ist im Leben, kam es dann doch wieder ganz anders. Meine Eltern suchten damals gerade eine Schwangerschaftsvertretung für zwei ihrer Mitarbeiterinnen. Ich dachte mir, na klar, da helfe ich ein bisschen aus. Aber wenn man bei Paddel-Meier erst einmal drin ist, dann kommt man nicht mehr raus. Aus der Vertretung wurden 25 Jahre, mittlerweile leite ich den Betrieb selbst und feiere dieses Jahr Jubiläum. Es ist einfach schön, sein eigener Chef zu sein!“

IBA Hamburg: Woher kam denn die Idee, hier mit einem Bootsverleih anzufangen?

Marion Meier: „Die Idee für Paddel-Meier stammt von meinem Vater, der heute noch im Betrieb aushilft. Paddeln war immer schon sein leidenschaftliches Hobby, er wurde damals Hamburger- und sogar Norddeutscher Meister. In den 60er Jahren wurden die bewährten Faltboote durch neue Kunststoffboote abgelöst. Die waren für meinen großgewachsenen Vater mit seinen großen Füßen einfach zu klein. Also baute er sich kurzerhand selbst ein Boot. Das sprach sich in Windeseile rum, und aus seinem Prototypen wurde ein Erfolgsmodell. Dank der Riesenanfrage machte er schließlich sein Hobby zum Beruf und gründete das Bootsbau-Unternehmen Paddel-Meier. Ursprünglich lag es auf der Peute, wurde aber zusammen mit meinem Elternhaus durch die Sturmflut von 1976 zerstört. Nach einem Zwischenaufenthalt in Rothenburgsort kam das Angebot für das Grundstück in Kirchwerder. Hier an der Gose-Elbe kam dann auch die Idee für den Paddelboot-Verleih, denn die Kund:innen wollten ihre Boote gerne vor Ort ausprobieren.
In den letzten Jahren machte das Internet den Bootsverkauf aber immer schwieriger. Ich habe den Betrieb daher vor fünf Jahren eingestellt und konzentriere mich jetzt ausschließlich auf den Verleih. Meine Schwester hat gleich nebenan in dem alten Boots-Laden ihre ‚Yoga-Oase‘ gegründet und bietet Wasserkurse auf SUP Boards an.“

IBA Hamburg: Was schätzen Sie denn besonders an der Nachbarschaft?

Marion Meier: „Als wir hier vor über vierzig Jahren hingezogen sind waren die Menschen uns gegenüber zunächst skeptisch. Das ist typisch für die bodenständigen Vier- und Marschlanden. Meine Eltern warfen Zettel in die Briefkästen der Nachbarschaft und luden die Leute zu uns ein. Das kam gut an, es kamen ganz viele Nachbar:innen vorbei, da war das Eis gebrochen. Heute kennt und schätzt man sich und hilft sich gegenseitig. Es gibt hier kein fremdes Nebeneinander.
Ich selbst schätze es sehr, die Ruhe des Dorflebens zu genießen, gleichzeitig aber in zwanzig Minuten in der Innenstadt zu sein, wo ich ins Theater, Kino oder ins Restaurant gehen kann.“

IBA Hamburg: Wann und wie haben Sie zum ersten Mal von Oberbillwerder gehört?

Marion Meier: „Das ist schon einige Jahre her. Da standen Berichte in der Bergedorfer Zeitung und bei Facebook. Mit den Nachbar:innen sprechen wir hier eher weniger über Oberbillwerder. Das ist ja auch noch weit weg.“

IBA Hamburg: Oberbillwerder hat große Visionen, sowohl städtebaulich als auch sozial: Ziel sind lebendige Nachbarschaften mit vielseitigen Angeboten für Wohnen, Arbeit, Bildung, Kultur und Freizeit. Für welchen dieser Aspekte interessieren Sie sich besonders?

Marion Meier: „Für mich ist es wichtig, dass ich auch mit dem Auto nach Oberbillwerder kommen kann und dort einen Parkplatz finde. Ansonsten interessiert mich das kulturelle Angebot im neuen Stadtteil. Konzerte würde ich dort besonders gerne besuchen. Und auch die Idee mit dem Schwimmbad finde ich sehr gut. Da würde ich sogar mit dem Fahrrad schnell mal hinflitzen.“

IBA Hamburg: Könnte es so etwas wie „Paddel-Meier“ auch in Oberbillwerder geben?

Marion Meier: „Früher gab es mal einen Bootsverleih in Neuallermöhe. Die haben aber wieder aufgegeben. Ich glaube, dass die künstlichen Wasserläufe auf Dauer zum Paddeln etwas langweilig sind. Da würde sich vielleicht eher ein Café am Wasser mit Tretbooten anbieten. Außerdem sind die niedrigen Wasserstände der Gräben in Oberbillwerder für Bootsfahrten eher ungeeignet.
Hier bei uns ist das Paddeln sehr abwechslungsreich. Natur pur sozusagen! Auf der Gose-Elbe kann man zum Beispiel Haubentaucher, Eisvögel und Nutrias beobachten und nur fünfzig Meter von hier haben sich Biber angesiedelt. Wo sieht man sonst in Hamburg Bieber?“

IBA Hamburg: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des neuen Stadtteils?

Marion Meier: „Oberbillwerder möge ein fröhliches Miteinander entwickeln. Die Menschen dort sollen bloß nicht nur auf ihrem neuen Flecken sitzen, sondern neugierig auf ihr neues Umfeld sein. Deshalb wünsche ich mir, dass die neuen Bewohner:innen mal bei Paddel-Meier zu einer Tour mit Kanus, Kajaks oder SUP Boards vorbeikommen.“

Weitere Infos unter: www.paddel-meier.de

Wir verwenden Cookies zur Erfassung von statistischen Daten. Mit der Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.