Hallo Oberbillwerder! Mitmacher Volker Dinse

„Wir schaffen als Ausgleich hochwertige Naturschutzflächen von rund 260 Hektar mit neu geregeltem Wasserhaushalt. Dadurch werden die Flächen rund um Oberbillwerder für Flora und Fauna deutlich aufgewertet.“
Der Ur-Hamburger Volker Dinse arbeitet in der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA). Im dort ansässigen Naturschutzamt verantwortet er die Umsetzung von Hamburgs Ausgleichsmaßnahmen, unter anderem für Oberbillwerder.

Schon als Schüler beobachtete Volker Dinse leidenschaftlich gerne heimische Vögel. Seine Diplomarbeit schrieb er über das Verhalten von Zugvögeln. Seit damals begeistert ihn aber die Feldlerche am meisten. Die Liebe zur Ornithologie führte ihn nach seinem Studium in den Dienst des Naturschutzamtes in der damaligen Hamburger Umweltbehörde. Zuerst war er dort im Bereich der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung tätig. „Das war Anfang der 90er Jahre, und ich war dort verantwortlich für die Belange des Naturschutzes bei der Bebauungs- und Fachplanung. Danach verschlug es mich für einige Jahre in den Vertragsnaturschutz. Ich hatte da einen guten und intensiven Austausch mit Landwirten im Außendienst, um Verträge zur naturnahen Bewirtschaftung zu verhandeln und um Vertragsflächen zu kontrollieren.“

Ab 2001, zu Zeiten des rot-grünen Senats, wurde das Sondervermögen Naturschutz und Landschaftspflege eingerichtet, das fortan aus Ersatzzahlungen für Eingriffe in den Naturhaushalt Naturschutzmaßnahmen durchführt. Aufgrund der erfolgreichen Arbeit wurden zunehmend im größeren Umfang auch Ausgleichsmaßnahmen im Auftrag von öffentlichen und privaten Bauherren (Vorhabenträger) umgesetzt. Volker Dinse wurde als Geschäftsführer dieses Sondervermögens berufen und leitet es noch heute mit seinen 11 Mitarbeiter:innen. Ihr Aufgabenspektrum: Private Flächen erwerben und städtische Flächen zu übernehmen, die für Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen geeignet sind.

„Eigentlich soll der Vorhabenträger seine Verpflichtungen zum Ausgleich selbst umsetzen. Häufig fehlt es aber an speziellem Wissen und Kenntnissen über verfügbare Flächen. Wir beraten dann, suchen passende Flächen und bieten als Dienstleister die komplette Umsetzung an.“

In Oberbillwerder setzt Volker Dinse stark auf die Kooperation mit den ansässigen landwirtschaftlichen Betrieben, denn diese sollen die Ausgleichsflächen bewirtschaften und gleichzeitig im Sinne des Naturschutzes pflegen. Dafür erhalten sie eine langfristig abgesichert Bewirtschaftungsprämie.

„Ich sehe das auch als eine gesicherte Perspektive für die Betriebe. Sie haben die Stadt als verlässlichen Partner, der ihre Arbeit honoriert, wenn sie auf den Flächen ohne Pflanzenschutzmittel und Dünger arbeiten und nicht in der Brutzeit die Wiesen mähen. Die Landwirte müssen doch wirtschaftlich weiter existieren können.“
Rund 260 Hektar umfasst der Ausgleich für Oberbillwerder und die JVA Billwerder im Umfeld. Davon liegen 140 ha in Unterbillwerder, wo durch Neuordnung des Wasserhaushaltes viele Feuchtwiesen entstehen werden. Die anderen 120 ha bilden Landschaftskorridor, Billebogen und Billeufer.

„Natürlich ist das Projekt Oberbillwerder ein erheblicher Eingriff in den Kulturlandschaftsraum. Lebensraum von Tieren fällt weg und wird verlagert. Die jetzigen Ackerflächen sind bedeutend für Offenlandarten wie die Feldlerche, haben aber einen geringen Biotopwert. Durch unsere Maßnahmen schaffen wir hochwertigen Ausgleich. So soll der Moorfrosch, eine Charakterart der Marschgräben, von den neuen Wasserständen deutlich profitieren.“

Volker Dinse hofft, dass sich auch die Feldlerchen und andere Wiesenvogelarten in Oberbillwerders Nachbarschaft vermehrt ansiedeln und wohlfühlen. Um dem zu hohen Besucherstrom vorzubeugen, ist für die neuen Naturschutzflächen kein direkter Zugang vorgesehen. Zudem wird ein städtischer „Rangerdienst“, wie schon in der Boberger Niederung, nach dem Rechten schauen. Und auch das Boberger Dünenhaus soll als Ort der Information und Bildung erweitert werden.

„Ich bin mir sicher, dass rund um Oberbillwerder später während der Balzzeit mehr blubbernde Moorfrösche zu hören sind als heute und der Bestand der Feldlerche langfristig gesichert wird. Ihr Gesang ist für mich immer noch ein besonderes Erlebnis.“

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