Im Dialog
Für Oberbillwerder, wo in den kommenden Jahren viele neue Familien und Nachbarschaften entstehen, ist dieser Ort schon heute ein wichtiger kultureller Anker in der Umgebung.
Geleitet wird die CMS Musikschule 🔗 von Holger Schmidt. Geboren 1967 in Hamburg, wuchs er in einer Musikerfamilie auf und stand schon als Kind auf der Bühne. Seine eigene Schulzeit und musikalische Ausbildung waren prägend, im Guten wie im Schlechten. Aus diesen Erfahrungen entwickelte er früh den Wunsch, Musikunterricht anders zu denken. Persönlicher, individueller und näher an den Menschen. Heute ist er Musikschulleiter, Vater von drei Söhnen und überzeugt davon, dass Musik weit mehr ist als Technik oder Talent.
IBA Hamburg: Sie haben die CMS Musikschule Schritt für Schritt aufgebaut. Wie ist diese Schule entstanden?
Holger Schmidt: Die Idee kam eigentlich aus einer persönlichen Erfahrung heraus. Ich hatte als Kind und Jugendlicher Lehrer, die mich nicht wirklich abgeholt haben. Teilweise war das sogar abschreckend. Irgendwann habe ich mir gesagt, wenn ich selbst gut genug bin, dann möchte ich es besser machen. Angefangen habe ich ganz klein, in meiner Wohnung und im Fahrradkeller. Später kamen immer mehr Räume in Bergedorf dazu, dann Kollegen mit der gleichen Haltung. 2007 konnten wir schließlich diese beiden Häuser kaufen. Ab da konnte sich die Schule frei entwickeln.

IBA Hamburg: Was unterscheidet die CMS Musikschule von anderen Musikschulen?
Holger Schmidt: Für mich war immer klar, dass es keinen festen Lehrplan geben darf, der für alle gilt. Menschen lernen unterschiedlich, Kinder haben verschiedene Begabungen und Interessen. Der eine möchte Klassik spielen, der andere Jazz oder Heavy Metal. Wichtig sind die technischen Grundlagen, aber der Weg dorthin muss individuell sein. Wir schauen sehr genau hin, wie jemand lernt, in welchem Tempo und mit welcher Motivation. Diese Freiheit prägt die gesamte Schule.
IBA Hamburg: Welche Menschen kommen hier zusammen und wie breit ist das musikalische Angebot?
Holger Schmidt: Das Spektrum ist sehr groß. Wir beginnen mit musikalischer Früherziehung ab zwei Jahren und begleiten viele Kinder über Jahre hinweg. Ab dem Schulalter lernen die meisten ein Instrument, oft Klavier, später kommen Gitarre, Streicher oder Blasinstrumente dazu. Gleichzeitig haben wir Jugendliche, Erwachsene und auch Senioren. Unser Kollegium ist international, mit Lehrkräften aus vielen Ländern und musikalischen Kulturen. Das bringt eine große Vielfalt und Offenheit mit sich.

Musik kann Menschen verbinden, gerade in einem neuen Stadtteil, der erst zusammenwachsen muss.

IBA Hamburg: Die Schule ist auch ein Arbeitsort für viele freischaffende Musikerinnen und Musiker. Wie funktioniert das?
Holger Schmidt: Unsere Lehrkräfte arbeiten sehr eigenständig. Sie können ihr eigenes Konzept verfolgen und sind nicht in ein starres System gezwungen. Viele von ihnen stehen selbst auf der Bühne, sind auf Tour oder arbeiten in Studios. Das unterstützen wir ausdrücklich, auch wenn sie in dieser Zeit weniger unterrichten. Denn genau diese Erfahrungen bringen sie später wieder mit zu den Schülerinnen und Schülern. Das ist für uns der Idealfall.
IBA Hamburg: Welche Rolle spielt der Standort Bergedorf für Ihre Arbeit?
Holger Schmidt: Bergedorf ist ein sehr guter Standort, vor allem wegen der vielen Familien und Kinder. Musikalische Szenen und Clubs haben sich zwar verändert, aber das Interesse an Musik ist da. Besonders klassische Instrumente erleben gerade wieder einen Aufschwung. Für uns ist der konkrete Ort hier entscheidend. Wir besitzen die Gebäude, haben Platz, Parkmöglichkeiten, kurze Wege zur Bahn und keine Lärmprobleme. Das schafft Freiräume, die für eine Musikschule enorm wichtig sind.

IBA Hamburg: Welche Bedeutung hat Musik aus Ihrer Sicht für Kinder und Familien heute?
Holger Schmidt: Musik fördert unglaublich viele Fähigkeiten. Soziale Kompetenz, Konzentration, Empathie und auch ganz praktische Dinge. Musizieren verbindet die beiden Gehirnhälften und schult das Zusammenspiel mit anderen. Gerade in unruhigen Zeiten merken viele Eltern, wie wichtig solche Erfahrungen für ihre Kinder sind. Das spüren wir auch an den steigenden Schülerzahlen nach der Corona-Zeit.
IBA Hamburg: Wenn Sie an Oberbillwerder denken, welche Chancen sehen Sie dort für Musik und Nachbarschaft?
Holger Schmidt: Oberbillwerder ist eine große Chance. Wenn dort viele Familien leben, entsteht automatisch ein Bedarf an kulturellen Angeboten. Musik und Sport gehören für mich zu einer lebendigen Nachbarschaft dazu. Wir können uns gut vorstellen, dort künftig präsent zu sein, vielleicht mit einem zusätzlichen Standort oder Angeboten vor Ort. Musik kann Menschen verbinden, gerade in einem neuen Stadtteil, der erst zusammenwachsen muss.
