Im Dialog
IBA Hamburg: Wenn man nach Bergedorf kommt, fällt der Blick schnell auf das Schloss. Welche Bedeutung hat dieser Ort für den Bezirk?
Ulf von Krenski: Das Bergedorfer Schloss ist für uns ein zentraler Identifikationsort. Es ist das einzige Schloss auf Hamburger Gebiet und allein das macht es schon besonders. Darüber hinaus steht es sinnbildlich für die lange Eigenständigkeit Bergedorfs. Viele Bergedorferinnen und Bergedorfer verbinden mit dem Schloss nicht nur Geschichte, sondern auch persönliche Erinnerungen, sei es durch Museumsbesuche, Spaziergänge im Park oder sogar durch eine Trauung im Schloss. Es ist ein Ort, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet und bis heute lebendig genutzt wird.

IBA Hamburg: Das Schloss blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Wie weit reichen seine Ursprünge?
Ulf von Krenski: Die Ursprünge des Bergedorfer Schlosses reichen vermutlich bis ins 13. Jahrhundert zurück. An dieser Stelle befand sich bereits damals eine Wasserburg. Erbauer war aller Wahrscheinlichkeit nach Graf Albrecht von Orlamünde, der Bergedorf als Lehen besaß. Später ging die Anlage an die Herzöge von Sachsen Lauenburg über, die hier einen Verwaltungssitz einrichteten. Schon in dieser frühen Zeit spielte der Ort also eine zentrale Rolle für die Organisation und Verwaltung der Region. Das Schloss war nie nur ein repräsentatives Gebäude, sondern immer auch ein Ort der Macht und der Ordnung.
IBA Hamburg: Eine Besonderheit in der Geschichte Bergedorfs ist die gemeinsame Verwaltung durch Hamburg und Lübeck. Welche Rolle spielte das Schloss dabei?
Ulf von Krenski: Diese Phase ist für das Verständnis Bergedorfs ganz entscheidend. Im Jahr 1420 wurde Bergedorf von Hamburg und Lübeck gemeinsam erobert und anschließend beiderstädtisch verwaltet. Diese gemeinsame Verwaltung dauerte beeindruckende 447 Jahre bis 1867. Das Schloss war in dieser Zeit der Sitz des Amtmanns, also des Verwaltungschefs, der im Namen beider Städte handelte. Hier wurden Entscheidungen getroffen, Recht gesprochen und die Region organisiert. Wenn man heute durch den Innenhof geht oder die Räume betrachtet, spürt man diese lange Verwaltungsgeschichte. Das Schloss ist damit ein steinernes Zeugnis einer ganz besonderen politischen Konstruktion, die es so kaum ein zweites Mal gibt.

IBA Hamburg: Auch architektonisch wirkt das Schloss sehr vielschichtig. Was macht es aus Ihrer Sicht besonders?
Ulf von Krenski: Das Besondere ist, dass man dem Schloss seine Geschichte ansieht. Es ist nicht aus einem Guss entstanden, sondern über Jahrhunderte immer wieder erweitert, umgebaut und ergänzt worden. Im Innenhof erkennt man sehr gut unterschiedliche Baustile aus verschiedenen Epochen. Die vierflügelige Anlage liegt auf einer Wasserinsel und ist von einem Park umgeben, der ebenfalls unter Denkmalschutz steht. Diese Kombination aus Architektur, Wasser und Grünfläche mitten im Stadtkern ist außergewöhnlich und verleiht dem Ort eine ganz eigene Atmosphäre.

Oberbillwerder ist kein Bruch, sondern eine konsequente Fortsetzung der Bergedorfer Geschichte.

IBA Hamburg: Heute ist das Schloss ein Museum. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher im Inneren?
Ulf von Krenski: Herzstück ist unsere Dauerausstellung zur Geschichte Bergedorfs, die 2023 neu gestaltet wurde. Sie zeigt die Entwicklung des Stadtteils von den Anfängen über die beiderstädtische Zeit bis in die Gegenwart. Die Ausstellung ist museumspädagogisch sehr modern aufbereitet und richtet sich an unterschiedliche Altersgruppen. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Wechselausstellungen, die einen Bezug zu Bergedorf haben, sowie Veranstaltungen wie Nachtwächterrundgänge. Das Schloss ist also kein statischer Ort, sondern ein lebendiges Museum, das sich immer wieder neu präsentiert.
IBA Hamburg: Welche Rolle spielt das Schloss im heutigen Alltag der Bergedorferinnen und Bergedorfer?
Ulf von Krenski: Eine sehr große. Das Schloss ist nicht nur Museum, sondern auch ein Ort für besondere Anlässe. Man kann hier heiraten, was viele Paare sehr schätzen. Es gibt museumspädagogische Angebote wie Kindergeburtstage und der Park rund um das Schloss ist ein beliebter Erholungsraum. Zudem ist das Schloss Sitz der Museumslandschaft Bergedorf, von hier aus werden auch andere museale Angebote im Bezirk koordiniert. Das alles macht das Schloss zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Bergedorf.

IBA Hamburg: Bergedorf wächst und verändert sich. Inwiefern spiegelt das Schloss auch aktuelle Entwicklungen wider, etwa mit Blick auf Oberbillwerder?
Ulf von Krenski: Bergedorf war schon immer ein Bezirk im Wandel. Von den Vier und Marschlanden über Industrialisierung, Arbeitersiedlungen bis hin zu neuen Wohnquartieren hat sich hier ständig etwas verändert. Diese Dynamik greifen wir auch im Schloss auf. In der Dauerausstellung spielt Oberbillwerder bereits eine Rolle, weil es die jüngste Phase dieser Entwicklung darstellt. Oberbillwerder ist kein Bruch, sondern eine konsequente Fortsetzung der Bergedorfer Geschichte. Neue Nachbarschaften gehören zu diesem Bezirk genauso wie das Schloss.
IBA Hamburg: Welchen Wunsch haben Sie für die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner von Oberbillwerder?
Ulf von Krenski: Ich wünsche mir, dass sie Bergedorf als ihren Stadtteil annehmen und entdecken. Bergedorf ist eine Stadt in der Stadt mit kurzen Wegen, viel Grün und einer hohen Aufenthaltsqualität. Das Bergedorfer Schloss kann dabei ein guter Einstieg sein, um die Geschichte und Besonderheiten des neuen Wohnortes kennenzulernen. Wer versteht, wo er lebt, fühlt sich schneller zuhause. In diesem Sinne ist das Schloss auch ein Ort der Ankunft für neue Nachbarschaften.

- Weitere Informationen: https://www.bergedorfer-museumslandschaft.de/ueber-uns/schloss