Katja Galkina‑Johns beruflicher Weg ist genauso vielfältig wie die Projekte, die sie gestaltet. Studiert hat sie zunächst Freiraumdesign in Moskau, später Architektur an der Bauhaus‑Universität Weimar. Dass sie einmal Freiräume für Städte entwerfen würde, war dabei früh absehbar. „Es war mir von Anfang an klar, dass ich irgendwas mit Design und Menschen machen möchte. Ursprünglich dachte ich an ein Studium an einer Kunstakademie. Bei einem Besuch der Moskauer Akademie für angewandte Kunst am Tag der offenen Tür lernte ich die Fakultät für Freiraumdesign kennen. Dort beeindruckte mich besonders die Idee, städtische Räume für Menschen zu gestalten – also Orte zu entwerfen, die später aktiv genutzt und erlebt werden.”
Auch ihre eigenen Wohnumfelder beeinflussten Katja Galkina‑John. Sie lebte mehrere Jahre in einem Moskauer Stadtteil, der sich von landwirtschaftlich geprägten Flächen zu einem neuen Wohngebiet mit vielen Häusern und Freianlagen veränderte. Diese Entwicklung und die Gestaltung neuer Freiräume erinnerten sie später an ähnliche städtebauliche Situationen und bestärkten ihr Interesse daran, solche Räume selbst mitzugestalten.
Katja Galkina‑John lebt und arbeitet bereits seit 15 Jahren in Berlin. Bei A24 Landschaft – ein Landschaftsarchitektur-Büro mit rund 20 Mitarbeitenden. Charakteristisch ist der Umgang mit komplexen Orten – etwa ehemaligen Industrieflächen, Uferbereichen oder neuen Stadtquartieren – die so gestaltet werden, dass sie ökologische, soziale, städtebauliche und gestalterisch anspruchsvolle Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Dabei spielen die Orientierung am jeweiligen Ort, die langfristige Nutzbarkeit sowie die Aufenthaltsqualität für Menschen eine zentrale Rolle. Ziel ist es, Freiräume zu schaffen, die Identität stiften und von unterschiedlichen Nutzergruppen selbstverständlich angenommen werden.
Die Erfahrung, wie Freiräume soziale und ökologische Funktionen übernehmen, bringt Katja Galkina‑John nun auch in Oberbillwerder ein.
Es ist natürlich sehr spannend, dass ein neuer Stadtteil in Hamburg entsteht und wir Teil des Planungsteams sind. Besonders reizvoll finde ich dabei die Verzahnung zwischen bestehender Landschaft und neuer Urbanität.
Im Fokus ihrer Arbeit steht die Zentrale Achse als verbindendes Rückgrat zwischen Landschaft und dem Fleetplatz in Neuallermöhe. Dieser soll entsiegelt, begrünt und neugestaltet werden als Einladung an die Menschen, den Raum aktiv zu nutzen. „Die Anbindung an die Landschaft ist nicht nur für zukünftige Bewohner:innen für die Menschen aus Neuallermöhe ein Gewinn. Sie alle bekommen die Möglichkeit,

sehr schnell zwischen den beiden Stadtteilen hin und her zu pendeln, einzukaufen und in den neuen Grünanlagen spazieren zu gehen.“
Ein großes Anliegen ist Katja Galkina‑John zudem die klimafreundliche Stadtentwicklung: „Ich bin sehr daran interessiert, dass wir die Städte grüner gestalten – mit Blick auf Klima und darauf, wie gestresst Menschen sind. In neu entstehenden Quartieren gibt es natürlich mehr Möglichkeiten Bäume zu pflanzen als in den bestehenden dicht bebauten Stadtvierteln.“
Dass Oberbillwerder weitgehend fußgängerfreundlich wird, begeistert sie besonders: „Ein sehr wichtiges Konzept ist, dass ein großer Teil der Zentralen Achse fußgängerfreundlich ist.“ Geschäfte, Spiel‑ und Sportangebote, Gastronomie – all das werde später Leben erzeugen. „Es wirkt als sehr lebendiger Ort, wo später das Leben sich entwickelt als Treffpunkt für das Gesamtquartier.“
Wenn Katja Galkina‑John über Oberbillwerder spricht, wird klar: Für sie ist Freiräume zu gestalten kein technischer Prozess, sondern ein menschlicher. Ein Gestalten mit Blick auf kommende Generationen. Und eines, das Hamburgs neuen Stadtteil ein Stück lebenswerter macht.