Im Dialog
Die Bergedorfer Mühle blickt auf fast 200 Jahre Geschichte zurück. Erbaut wurde sie zunächst als sogenannte Lohmühle. Hier wurde Eichenrinde zerkleinert, deren Gerbstoffe bei der Lederherstellung benötigt wurden. Erst später entwickelte sich die Anlage zur Kornmühle. Bis 1969 war sie in Betrieb. Heute zählt das historische Bauwerk an der Chrysanderstraße zu den bedeutenden technischen Denkmälern Norddeutschlands. Das Besondere: Die gesamte Technik ist erhalten oder wurde im Zuge der Restaurierung teilweise erneuert und funktioniert bis heute.
Eine Gruppe von Ehrenamtlichen des Vereins Bergedorfer Mühle e.V. 🔗, kümmert sich um Technik, Wartung und Führungen. Für sie ist die Mühle nicht nur ein technisches Denkmal, sondern ein Stück Heimat. Einer von ihnen, der sich seit vielen Jahren mit Herzblut für den Erhalt der Mühle engagiert, ist Norbert Seitz.
IBA Hamburg: Was macht die Bergedorfer Mühle für Sie persönlich so besonders?
Norbert Seitz: Nach meinem Berufsleben habe ich etwas Sinnvolles gesucht, bei dem ich meine technischen Kenntnisse einbringen kann. Als ich die Mühle kennengelernt habe, war ich sofort begeistert. Hier kann ich handwerklich arbeiten, Geschichte erhalten und gleichzeitig etwas für die Gemeinschaft tun.

IBA Hamburg: Viele Menschen sehen die Mühle als schönes Wahrzeichen. Was steckt technisch eigentlich hinter dem Gebäude?
Norbert Seitz: Das Faszinierende ist, dass hier alles weiterhin funktioniert. Die Mühle kann heute noch mit Windkraft betrieben werden. Auch die historischen Mahlwerke sind erhalten. Anders als in vielen anderen Mühlen kann man hier die Technik nicht nur anschauen, sondern tatsächlich erleben. Wenn sich die Flügel drehen und die Mahlwerke laufen, verstehen die Besucher sofort, wie die Mühle früher gearbeitet hat.
IBA Hamburg: Wer besucht die Mühle heute?
Norbert Seitz: Das sind ganz unterschiedliche Menschen. Besonders wichtig sind für uns die verschiedenen Schulklassen aus dem Umland. Jedes Jahr kommen mehrere hundert Kinder zu uns. Sie dürfen Getreide mahlen, die Technik kennenlernen und erleben, wie aus Korn Mehl wird. Aber auch Familien, Kulturinteressierte und Touristen finden den Weg zu uns. An manchen Aktionstagen haben wir deutlich über tausend Gäste.

Die Mühle ist ein Ort, an dem man Geschichte erleben, Menschen treffen und sich engagieren kann. Solche Orte werden in wachsenden Stadtteilen immer wichtiger.

IBA Hamburg: Die Mühle ist inzwischen auch ein Kulturort. Wie hat sich das entwickelt?
Norbert Seitz: Das hat sich über die Jahre ganz natürlich ergeben. Heute finden regelmäßig Konzerte, Ausstellungen und andere Veranstaltungen statt. Die besondere Atmosphäre in der Mühle zieht viele Menschen an. Musik zwischen historischen Balken und Mühlentechnik hat einfach einen ganz eigenen Charme. Gleichzeitig bleibt die Mühle immer ein Museum und technisches Denkmal.
IBA Hamburg: Mit Oberbillwerder entsteht in der Nachbarschaft ein neuer Stadtteil. Welche Chancen sehen Sie darin?
Norbert Seitz: Wir freuen uns über jeden Menschen, der die Mühle neu für sich entdeckt. Oberbillwerder wird viele neue Bewohnerinnen und Bewohner nach Bergedorf bringen. Für uns bedeutet das neue Besucher, neue Mitglieder und vielleicht auch neue Ehrenamtliche. Die Mühle ist ein Ort, an dem man Geschichte erleben, Menschen treffen und sich engagieren kann. Solche Orte werden in wachsenden Stadtteilen immer wichtiger.

IBA Hamburg: Sie sprechen das Ehrenamt an. Wer wird bei Ihnen gesucht?
Norbert Seitz: Eigentlich jeder, der Interesse mitbringt. Natürlich freuen wir uns besonders über Menschen mit technischem oder handwerklichem Verständnis. Aber auch bei Veranstaltungen, Führungen oder der Organisation gibt es viel zu tun. Man muss nicht alles können. Vieles lernt man hier direkt vor Ort.
IBA Hamburg: Was ist für Sie ein perfekter Tag in der Mühle?
Norbert Seitz: Wenn viele Menschen kommen, Fragen stellen und sich für die Geschichte begeistern. Besonders schön ist es, wenn Kinder mit großen Augen zusehen, wie aus Getreide Mehl wird. Und wenn wir nach einem erfolgreichen Tag gemeinsam zusammensitzen und merken, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Dann weiß man, warum man sich hier engagiert.