Der Masterplan – Die Grundlage für Hamburgs 105. Stadtteil

Am 26. Februar 2019 hat der Hamburger Senat den Masterplan Oberbillwerder beschlossen. Auf Grundlage des aus dem Wettbewerblichen Dialogs hervorgegangenen Siegerentwurfs des dänisch-niederländischen Planungsteams ADEPT mit Karres + Brands, wurde der Plan bis Ende 2018 ausgearbeitet.

Auf 124 ha sollen rund 7000 Wohneinheiten entstehen. Dazu bis zu 5.000 Arbeitsplätze, ein Bildungs- und Begegnungszentrum, 2 Grundschulen, bis zu 14 Kitas und noch einmal so viele soziale Einrichtungen. 11 Mobility Hubs (eine wegweisende Kombination aus Quartiersgaragen und Quartierszentren mit Einzelhandel, Dienstleistungen oder kulturellen bzw. sozialen Angeboten), rund 28 Hektar öffentliche Grün- und Freiflächen mit zahlreichen Spielplätzen sowie ein großer Aktivitätspark und ein Schwimmbad –  das ist der neue Stadtteil Oberbillwerder auf einen Blick.

Connected City
Aus dem Ort entwickelt, basiert der Masterplan auf dem Grundgedanken eines in die Umgebung integrierten Stadtteils und schafft vielfältige Verbindungen zu den benachbarten Stadtteilen, zugleich hält er einen respektvollen Abstand zum Dorf Billwerder. Im Konzept der „Connected City“ ist der Freiraum das verbindende Element. Herzstück ist der Grüne Loop, der die Grundstruktur Oberbillwerders vorgibt und zugleich zum Markenzeichen wird.

Städtebau
Städtebaulich verbindet der Grüne Loop die fünf Quartiere, die gemeinsam Oberbillwerder bilden. Durch ablesbare, eigenständige Identitäten entstehen überschaubare, abwechslungsreiche Stadträume. Die zentralen öffentlichen Räume werden durch ein Netz kleinerer Nachbarschaftsplätze in den Quartieren ergänzt, an denen jeweils ein Mobility Hub angesiedelt ist. Im Zentrum des neuen Stadtteils findet sich das BahnQuartier, das sich im Vergleich zu den übrigen Quartieren durch eine dichtere Bebauung und eine größere Nutzungsmischung auszeichnet. Im Westen liegt das Blaue Quartier, wo das Leben an und mit dem Wasser im Mittelpunkt steht. Im Norden bildet das AgriQuartier den Abschluss zur landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft. Östlich des BahnQuartiers schließt sich das Grüne Quartier an. Hier entsteht ein großzügiger Aktivitätspark mit einer Vielzahl von sportlichen Angeboten. Weiter östlich stellt das ParkQuartier mit Kleingärten und neu interpretierten städtebaulichen Formen eine Verknüpfung mit Bergedorf-West her.

Active City
Oberbillwerder wird Modellstadtteil für die Active City. Sport und Bewegung werden als integraler Bestandteil des alltäglichen Lebens verstanden. Unterschiedliche, weitgehend barrierefreie Angebote für alle Bevölkerungsgruppen fördern ein aktives und gemeinschaftliches Leben im neuen Stadtteil. Dazu zählt nicht nur der große Aktivitätspark, sondern auch, dass die täglichen Wege sicher zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können.

Wohnen
Menschen mit unterschiedlichen Einkommen, Herkünften, Alters- oder Lebenssituationen finden Wohnangebote in Oberbillwerder. Besondere Wohnformen für Senioren, Studenten, junge Familien, Auszubildende, Menschen mit Inklusionsbedarf und weitere Zielgruppen soll es hier geben. Die zukünftigen Bewohner Oberbillwerders werden in Mehrfamilienhäusern (ca. 85%) sowie Stadt- und Einfamilienhäusern (ca. 15%) leben. Dabei soll eine größtmögliche Vielfalt in der Architektursprache erreicht werden. Der Durchschnitt (im Geschosswohnungsbau) liegt bei 5-6 Stockwerken, Sprünge nach unten oder städtebauliche Akzente mit mehreren Stockwerken garantieren ein abwechslungsreiches Bild. Um ein breites Angebot an bezahlbarem Wohnraum zu schaffen, sollen auch das serielle Bauen, der freifinanzierte 8-Euro-Wohnungsbau sowie die Vergabe von Grundstücken in Erbpacht ermöglicht werden. Bis zu 20% Baugemeinschaften können sich in Oberbillwerder ansiedeln.

Arbeit
Um das Ziel einer lebendigen und gemischten Stadt zu erreichen sind neben vielfältigen Wohnformen, einem umfassenden Freizeit- und Bildungsangebot sowie Einkaufsmöglichkeiten auch die Schaffung von Arbeitsplätzen von großer Bedeutung. Wohnverträglich sowie mischungsfähig, können mehr als 4.000 verteilt im gesamten Stadtteil entstehen. Eine Konzentration von Arbeitsplätzen findet sich im Zentrum und an den Quartiersplätzen. Standorte für gewerbliche Nutzungen und Handwerkerhöfe sind im Süden entlang der S-Bahntrasse angesiedelt. In Coworking Spaces, Home-Office-Arbeitsplätzen und hybriden Büro-Wohn-Lofts arbeiten orstunabhängige Erwerbstätige. Angestrebt wird eine Schwerpunktsetzung auf die Branchen Ernährung, Gesundheit und Bewegung.

Mobilität
Nicht autofrei, aber möglichst frei von parkenden Autos im öffentlichen Raum soll Hamburgs 105. Stadtteil einmal sein. Ziel ist es, das Auto im Stadtteil möglichst überflüssig zu machen; durch andere und neue Arten der Fortbewegung, die umweltschonender, komfortabler, schneller und günstiger sind. Bus und S-Bahn liegen direkt vor der Tür und sorgen für eine gute Anbindung nach Bergedorf und in die Hamburger Innenstadt. In den 11 Mobility Hubs sind die Parkplätze für Bewohnerinnen und Bewohner sowie für Gäste konzentriert. Das eigene Auto kann hier geparkt und auf andere Verkehrsmittel (Fahrrad, E-Bike, ÖPNV, oder in Zukunft kleine, autonome Shuttlebusse) umgestiegen werden. So bleiben Wohn- und Spielstraßen weitestgehend verkehrsfrei und werden zu öffentlichen Räumen. Die Mobility Hubs sind aber auch weit mehr als Parkplätze: hier finden sich kleinerer Einzelhandel, kulturelle oder soziale Angebote für die Nachbarschaft. Zusammen mit den Quartiersplätzen werden sie zu kleinen Quartierszentren und Orten der Begegnung. Die übergeordnete Straßenanbindung erfolgt über drei Anschlüsse im Westen, Nordosten und Südosten, um den Verkehr bestmöglich zu verteilen.

Entwässerung
Das vorgesehene Entwässerungskonzept verbessert die derzeitige Situation für die nördlich angrenzenden, weiterhin landwirtschaftlich genutzten Flächen. Das dort anfallende Wasser wird in den nördlichen Randgraben und weiter in einen bepflanzten Retentionsraum mit Reinigungsfunktion im Nord-Westen des Stadtteils geleitet. Das aufbereitete Wasser speist die Kanäle im Blauen Quartier. In Oberbillwerder sollen die überwiegend naturnahen, erlebbaren Wasserläufe Wohn- und Aufenthaltsqualitäten in den Stadtraum bringen und zugleich der Entwässerung dienen. Innerhalb des neuen Stadtteils ist der Grüne Loop  zentrales Entwässerungselement, da hier das anfallende Regenwasser von öffentlichen und in Teilen auch das von privaten Flächen gesammelt und weitergeleitet wird. Unter der Prämisse der Mehrfachnutzung bietet der Grüne Loop nicht nur attraktive Wasserflächen, sondern kann als Retentionsraum auch hundertjährliche Regenereignisse bei bestimmten Dauerstufen aufnehmen.

Weitere Informationen finden Sie auch in unseren FAQs.


Ausblick
Der Planungshorizont für die Realisierung des lebenswerten, vitalen, bezahlbaren und zukunftsfähigen Stadtteils Oberbillwerder liegt bei weit mehr als einem Jahrzehnt. Eine der wichtigsten Stellschrauben für die Planbarkeit der ambitionierten Ziele ist die frühzeitige Einrichtung einer kontinuierlichen und ganzheitlichen Steuerung des Entwicklungsprozesses. Um dies zu gewährleisten, hat der Hamburger Senat Anfang 2018 eine neue Entwicklungsgesellschaft, die IBA Projektentwicklungs GmbH & Co.KG (IPEG), eingerichtet und damit den Weg zur Realisierung des zweitgrößten Stadtentwicklungsvorhabens bereitet. Auch die prozessbegleitende Kommunikation und Beteiligung soll fortgesetzt werden.

 

 

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